Aktuelles: Petition
An den
Landtag von Baden-Württemberg
Petitionsausschuss
Konrad-Adenauer-Str. 3
70173 Stuttgart
16. August 2010
I.) Betreff:
Eilantrag Umbaumaßnahme Ziegeleisee Schorndorf
(… da mit der Umbaumaßnahmen bereits im September begonnen werden
soll)
II.) Antrag:
1.Es wird ein Moratorium für die, in der Gemeinderatssitzung vom 24.06.10
beschlossenen Umbaumaßnahmen eingerichtet. (Anlage 1)
2.Es wird eine neue Planungsphase mit Bürgerbeteiligungsverfahren eingeleitet.
3.Die Wirtschaftlichkeitsrechnung zur Baumaßnahme wird offengelegt.
III.) Sachverhalt und Begründung:
Zu 1.
Kulturdenkmal
Das Ziegeleisee-Freibad ist ein Kulturdenkmal. Nachdem die Schorndorfer
Ziegelei den Abbau von Tonerde eingestellt hatte, nahm die Bevölkerung
die mit Quellwasser gefüllte Tongrube in den Nachkriegsjahren, zuerst
heimlich, dann mit städtischer Unterstützung als Badesee in Gebrauch.
Bis heute kann man hier, die für den Tagebau typische Geländeform,
als Hinterlassenschaft einer der ersten Industrieansiedelungen erkennen.
Weil es jedoch modern ist am Wasser zu liegen, soll die Hälfte des
Geländes durch massive Erdbewegungen umgeformt und durch riesige Gabionenwände
abgestützt werden. (Anlage 2)
Naturidyll
Der immense Eingriff in die Natur, der mit dem Neubau von Hallenbad und
Sauna an dieser Stelle begann (Fertigstellung 2008, 14 Mio.), wird mit der
Erweiterung der Sauna (1,3 Mio.), der Klärung des Natursees (1,2 Mio.)
sowie der Umgestaltung des Freibads (1,3 Mio.) fortgesetzt. Ein kleines
Wäldchen zwischen dem Freibad und dem Naturschutzgebiet Rehfeldsee
muss einer unnötigen Filteranlage (ca. 1000 m2) zur „Wasserverschönerung“
und einer „attraktiven Baumsauna“ weichen. Vor wenigen Jahren
noch mit Prädikat ausgezeichnet, „schadet Aschenputtel“
heute dem Image des modernen Oskar Frech See Bads. (Anlage 3)
Parkplatzangebot
Seit dem Hallenbadbau gibt es, wie von Anliegern öffentlich bekundet,
entlang der Lortzingstraße bereits heute ein Parkplatzproblem. Obwohl
mit den prognostizierten Besucherzahlen auch mindestens 300 zusätzliche
Pkws kommen müssten, sind in den Planungsunterlagen keine neuen Parkflächen
ausgewiesen.
Zu 2.
Bürgerbeteiligung
Zur Ermittlung der Besucherwünsche wurde im Auftrag der Stadtverwaltung
eine Befragung von 624 Hallenbadgästen durchgeführt. Bestürzt
über die Idee die Interessen von Hallenbad- und Freibadbesuchern gleich
zu setzen, organisierte eine Gruppe langjähriger Badegäste eine
Unterschriftensammlung. Innerhalb von 12 Tagen unterzeichneten 617 Badegäste,
für eine Neuplanung mit Bürgerbeteiligung, für den Erhalt
des Natursees, für eine bestandserhaltende Renovierung sowie für
die Beibehaltung niedriger Eintrittspreise.
Gemeinderat
Der Gemeinderat nahm das Ergebnis der Unterschriftensammlung in seiner Sitzung
am 22.7.2010 ohne weitere Veranlassung zur Kenntnis. Ganz nach dem Werbeslogan
der Stadtwerke „schwimmt der Gemeinderat mit dem Strom“ und
stimmt dem Kauf eines „Naturbades von der Stange“ zu, anstatt
aktiv für einen Interessensausgleich mit konzeptionellen Ideen einzutreten
und den Erhalt unseres traditionsreichen, einzigartigen Ziegeleisee-Freibads
zu unterstützen.
Zu 3.
Wirtschaftlichkeit
Obwohl sich der Schuldenberg der Stadt Schorndorf - trotz eines gerade verabschiedeten
und für alle Bürger schmerzhaften Sparpakets über 9 Mio.
- in den nächsten 3 Jahren, von 14 auf 31 Mio., mehr als verdoppeln
soll, will die Stadt Schorndorf mit einer Gesamtinvestition von 3,8 Mio.
den gesamten Bereich um den Ziegeleisee als überregionale Attraktion
weiter ausbauen und die Badegäste des Ziegeleisees mit höheren
Eintrittsgeldern belasten.
Die Aussagen der Stadtverwaltung zur Wirtschaftlichkeit der Baumaßnahmen sind widersprüchlich. Annahmen wie eine Verdoppelung der Besucherzahlen basieren auf Vermutungen. Selbst wenn man der Annahme folgen würde, dass doppelt so viele Besucher in das Freibad kämen, wäre es nicht nachvollziehbar, wie eine Investition von 2,5 Mio. plus den erhöhten Folgekosten, durch „eine moderate Preiserhöhung um etwa einen Euro“ pro Besucher kostendeckend finanziert würde.
IV.) Vorschlag:
Es muss in einer Stadt möglich sein, an den Ufern eines Sees zwei verschiedene Interessengruppen baden zu lassen.
Das neugebaute Oskar Frech See Bad erfüllt die Wünsche von Chlorbad- und Saunabesuchern mit mittleren und höheren Einkommen und bedient ein überregionales Einzugsgebiet.
Das Ziegeleisee-Freibad erfüllt für ortsansässige Schorndorfer
mit mittleren und geringeren Einkommen das Bedürfnis nach einfachem,
naturnahem, preisgünstigem Schwimm- und Badevergnügen im Sommer.
Entsprechend könnte die Saunaerweiterung (1,3 Mio.) gebaut werden,
um die Nachfrage an qualitativ hochwertigem Wellness für Besserverdienende
zu befriedigen.
Im Ziegeleisee-Freibad müsste eine Sanierung der Sanitär- und Umkleideräume sowie der Baby- und Kleinkindbereiche (0,7 Mio.) vorgenommen werden.
Gleichzeitig könnte die Chance ergriffen werden, für alle Schorndorfer Freibäder, auch die kleinen in Buhlbronn und Schlichten, ein gemeinsames, vorbildhaftes Konzept zu entwickelt, das über Bürgerbeteiligung und Budgetmitbestimmung direkte Demokratie wieder erfahrbar werden ließe und der allgemeinen Politikverdrossenheit entgegenwirken könnte.
Wir erwarten mit Spannung Ihre Antwort.
Mit freundlichen Grüßen
Lisa Kober
i.V. Freunde des Ziegeleisees
Anlagen:
1.Stadt Schorndorf Drucksache Nr. 2010/050
2.Geländestufen
3.Neuplanung Oskar Frech See Bad